Die Kapelle der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz
- Kapelle
Die Pädagogische Hochschule der Diözese Linz verwirklicht Kirche als Einladung an werdende Lehrer und Erzieher zur Selbstverwirklichung am Leitfaden der Botschaft Jesu; zur Fundierung der Erziehungsarbeit im Religiösen welche im Zielparagraphen der österreichischen Schule eingeschlossen ist. Jede Interpretation von Mensch und Welt erfolgt radikal, das heißt bis zu den Wurzeln, bis zum Unerforschlichen und Unerklärbaren, um damit für das Religiöse offen zu machen. In intellektueller Redlichkeit und aus persönlich er Überzeugung wird das Religiöse als Unterrichtsprinzip eingebracht. Die Entscheidung des einzelnen Studierenden bleibt frei. In dieser Freiheit vollziehen sich Begegnung und Meditation. Gebet und Eucharistiefeier in der Kapelle.
Am 19. Mai 1981 weihte Diözesanbischof DDr. Franz Salesius Zauner die Kapelle der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz. Diese Stadt besitzt damit einen weiteren neuen Sakralraum der durch künstlerische Aussage fasziniert und durch die unkonventionelle Umsetzung religiöser Themen herausfordert.
Der Kapellenraum entstand nach Plänen der Architekten Dipl-Ing. Franz Riepl und Dipl-Ing. Dr. Othmar Sackmauer. Im Rohzustand fügte sich der zentral ausgerichtete Raum in geometrischer Strenge in da s Baukonzept. Dem quadratischen Raum wurde ein Pyramidenstumpf aufgesetzt, dessen Innenwände wie schützende Fittiche erlebt werden können. Dar über öffnet sic h ein abgeschrägter Schacht dem Tageslicht. Der Pyramidenstumpf sitzt auf acht Säulen. hinter denen ein Umgang verläuft.
In mehrjähriger geistig-künstlerischer Auseinandersetzung entwickelte sich die Innengestaltung. Vertreter des Auftraggebers, besonders des Diözesan-Kunstrates. Professoren und Studierende sowie die Gemeinschaft der Marianisten des Salesianums waren in diesen schöpferischen Prozess einbezogen. Um Sinn und Maß wurde gerungen. Triumphaler Kunstexhibitionismus, der weltimmanente Gaffer erzeugt, war in Denken und Tat ausgeschlossen. So konnte von Professor Giselbert Hake in Zusammenarbeit mit Architekt Riepl und Thomas Hake ein angenommener Ort für Besinnung und religiöse Feiergestaltet werden. Die Innenausstattung sollte sich dem geistigen Inhalt der Klosterregeln des heiligen Benedikt annähern. Den Betonwänden wurde mittels Farbe und Zeichnung ihre mechanische Struktur genommen.“ (Giselbert Hoke) - So wurden aus den Betonskeletten der Wände wärmende und bergende Flügel.
Dieser liturgische Raum ist Turm und hat das Thema Turm zum Gestaltungsmerkmal in den Fresken. Er öffnet sich nach oben aus der aufnehmenden Form der im Boden durch Neigung zur Mitte angedeuteten Schale, welche Geborgenheit gibt und auch zu ihr verpflichtet. - Kirche sollte Schoß sein.
Turm thematisiert menschliches Vorhaben: einmal als gefährdende Erhöhung zu Selbsterlösung zum anderen als Überschreitung zur Erlösung. Turm als Instrument. In den Bildern der vier Fresken an der Innenseite des Pyramidenstumpfes wiederholt sich das Leitmotiv Turm. Turmbau zu Babel: Kreuzigung. Abendmahl und Marienthema.
Turmbau zu Babel: in der Darstellung bizarr drei in ein alles und nichts ausgreifende Einzeltürme mit isolierten Sisyphus-Figuren. - Jedes menschliche Werk enthält den Turmbaubazillus der Vermessenheit. Unmögliches möglich machen zu wollen, alles als machbar ansehen zu wollen, alle Wirkung sich selber zuschreiben zu wollen. - .Homofaber ", der auf sieh selbst zurück und in grenzenlose Einsamkeit verwarfen wird. Die Werkzeuge dieser Machart sind in Obersteigerung dargestellt. Im Gegensatz dazu die Qualität des natürlichen Materials Holz (Fußboden, Tisch, Bänke): wie ein auf Ewigkeit gerichtetes Wachsen, Schicht um Schicht, eine umschließt fest die andere. Als Gegenpol zu technisch-kultivierter Betriebsamkeit handwerklich hergestellte Kirchenbänke.

Kreuzigung: Turm als Thema des Entzugs: Jesus Christus wird in diesem Bild gekreuzigt und durch getrieben -betriebsames Tun von Schergen - Verbindung zum Turmbau-Thema - eingemauert, eine Provokation für jeden Christen: einzelne Ziege von einzelnen Personen, Zeichen für Distanzierung. Verleugnung. Unterlassung. Nur mehr noch wenige Ziegel sind erforderlich, um diesen gemordeten Jesus der Welt völlig zu entziehen. - Verlassen und einsam neben dem Kreuzigungsturm auf zerbrechlichen Gerüsten als Befehlstürme. die Potentaten, Machthaber über Willfährige, zum Instrument des Faschistoiden pervertierte Sklaven. Mögen diese Potentaten abschrecken von deformierendem, autoritärem Verhalten, besonders Kindern gegenüber. - An Jesu Botschaft orientierte Lehrer überbieten da s Konzept humaner Schule.
Abendmahl: im Turm, in seinem Schutz, die Abendmahlsgemeinschaft. Turm wird zur bergenden Hülle des Vermächtnisses, zum Tisch der Gemeinschaft, die einander hilft, ohne sich im innerweltlichen Altruismus zu erschöpfen. Leben aus dem eucharistischen Ma hl bricht Wände auf, es ist Bereitschaft für andere. Der aus der Mauer dringende Blutstropfen symbolisiert es, verdichtet die Farbe des Feuers zum Zeichen. In der Eucharistiefeier wird es am einfachen Holztisch gegenwärtig. Eine Raumdiagonale führt vom Gabentisch zum Altar, die andere vom holzgeschnitzten Vortragskreuz von Jakob Kopp ebendorthin. Die dritte leitet den Glauben den vom Abendmahlstisch zum Tabernakel (Themas Hoke), dessen Silberschimmer auf Geheimnis und Unaufdringlichkeit verweist. Der vierten ist zugedacht, von der Orgel her das Ereignis des Raumes einem weiteren Sinn zugänglich zu machen.
Maria: Mater, Matrix. Zeichen des Hervorbringens. des Schöpferischen. Der Geborgenheit und Aufgehebenheit. elfenbeinerner Turm - Kostbarkeit als Vorbild des Dienens und Bereitseins. Aus dem grünen Bildhintergrund knospen Fruchtbarkeitssymbole. Lehrer brauchen den Quellton des Schöpferischen und die Bereitschaft, Wachstum zu fördern. - Maria mit dem Kind als Urbild, auch für Kirche. Winzig und daher leicht übersehbar in der rechten oberen Bildecke ein Kamin, aus dem sich zwei Wölkchen verziehen. - Kirche, ein Ort, an dem man häuslich sein kann.

Das Wärme ausstrahlende Gewölbe der Fresken entstand ohne ausschmückende Details in knapper erzählender Weise. In den im dunklen Rostbraun gefärbten Umgängen der Kapelle wurden von Giselbert Hoke händisch (einen Arm verlor der Künstler im Krieg!) der Ikonologie entsprechende Bibeltexte an die Wand geschrieben. Im Lichtschacht, dessen Grellheit durch eine untergehängte Stufendecke aus Holz gebrochen wird, vier gehende, nachdenkende Männer, welche die vier Wände umkreisend verbinden. - Akademie als Garten der Denkenden, Park der Wahrheit Suchen den? Hochschule als Sprachrohr der vier Evangelisten? Die Kapelle gehört den Studierenden und Lehrern dieser pädagogischen Hochschule sowie der Ordensgemeinschaft der Marianisten welche das Benachbarte Studentenheim Salesianum führen.
Der erwähnte Zielparagraph des Schulorganisationsgesetzes liefert Legitimität, wenn auch nicht zwingend, eine pädagogische Hochschule mit einer Kapelle auszustatten: Kapelle als räumliche Form von Kirche als Einladung. Wer als Studierender oder Lehrer in die Gemeinschaft dieses Hauses tritt, verlässt die mögliche Unverbindlichkeit von Einladung. Er hat sie angenommen als Bereitschaft, die Botschaft Jesu und der Kirche aufzunehmen und zu leben.
Die Ausgestaltung der Kapelle kostete 2,4 Millionen Schilling. Dazu trugen das Land Oberösterreich 500.000 Schilling und das Bundesministerium für Unterricht und Kunst 200.000 Schilling bei. Die Bänke wurden vom Stift Schlägl gewidmet.



