„Kybernetische Methode“ – Was ist das?
Die Kybernetische Methode ist eine Methode die beim Erlernen des Lesens, Rechtschreibens und Rechnens zum Einsatz kommt. Doch es stehen nicht nur diese komplexen Fertigkeiten im Fokus der Aufmerksamkeit, sondern auch Vorläuferfertigkeiten, die für den Erwerb der Schriftsprache und des Rechnens notwendig sind.
Der Begriff „Kybernetik“ leitet sich vom griechischen Wort „kybernetes“ ab, was soviel wie "Steuermann" bedeutet. Die Kybernetische Methode ist ein Werkzeug, durch das Kinder im Umgang mit ihrem Körper beim Lernen ihr eigener Steuermann werden und ihr Handeln und Lernen selbst lenken.
„Körperkontrolle ist die Voraussetzung für Selbstkontrolle“[1]
Das gezielte Steuern von Bewegungen ist also die Basis für schulisches Lernen und steht beim Lernen nach der Kybernetischen Methode aus diesem Grund im Zentrum. Beim Sprechen, Schreiben und Rechnen sind vor allem die Hände und der Mund aktiv, deswegen wird durch spezielle Übungsformen das Bewegungsgeschick mit Mund und Hand trainiert.
[1] S. Goddard Blythe (2005). Greifen und Begreifen. Kirchzarte bei Freiburg: VAK, S. 15
Die Kybernetische Methode in der Vorschule
Hier an der Adalbert-Stifter Volksschule wird die Kybernetische Methode schwerpunktmäßig in der Vorschule eingesetzt, um Fertigkeiten zu entwickeln, die für das Erlernen der Schriftsprache und des Rechnens wichtig sind. Das bewegungsgestützte Lernen mit Hand und Mund und dessen sprachliche Begleitung sind gerade für unsere jüngsten Schüler und Schülerinnen wichtig und stehen deswegen im Vordergrund.
Mit den folgenden Aktivitäten wollen wir bei der Entwicklung bedeutender Vorläuferfertigkeiten helfen und ideal auf den Erwerb der Schriftsprache und des Rechnens vorbereiten:
Übungen zur Raumwahrnehmung
In spielerischer Form wird die Unterscheidung von rechts, links, oben, unten, vorne, hinten,… geübt. Dabei bietet die Grußhand für die Kinder eine gute Orientierung, denn wir grüßen immer mit der rechten Hand.
Übungen für die Wahrnehmung des eigenen Körpers
Natürlich ist es auch wichtig, dass die Kinder ihren eigenen Körper kennen und steuern sowie die Körperteile benennen können.

Förderung des Bewegungsgeschicks mit den Händen
- Entwicklung des Handschemas: Die Kinder lernen die Teile der Hand (Finger, Handballen, Knöchel, Handrücken,…) kennen und benennen. Hier kommen auch lustige Fingerspiele zum Einsatz.
- Förderung der bewussten Steuerung der Finger bzw. der Feinmotorik durch Fingerübungen. Diese Übungen sollten mit aber auch ohne Sicht auf die Finger bewältigt werden können.
Bewegungs- und sprachgestützte Übungen im Hinblick auf das Rechnen
- Üben des simultanen Erfassens von Mengen
- Unterscheiden von Ordnungszahlen und Mengen
- Üben und Erweitern der Zählfertigkeit
Die Finger sind als Zähl- bzw. Rechenmaterial aus unten angeführten Gründen optimal:
- Die Finger sind jederzeit verfügbar.
- Die Finger sind gut handhabbar, d.h. das Arbeiten mit den Fingern ist nicht umständlich.
- Die Finger spiegeln unser dekadisches System wieder.
- Die Finger stellen ein körpernahes Material dar und ermöglichen somit Bewegungs- und Berührungswahrnehmungen, die das Behalten des Gelernten zusätzlich unterstützen.
- Das gleichzeitige Ausstrecken von mehreren Fingern ermöglicht eine simultane (gleichzeitige) Mengenerfassung, so wird das Abzählen von Mengen überflüssig.
- Die Finger kosten nichts.
Ziel des Einsatzes der Finger als Zähl- und Rechenmaterial ist der Aufbau von Vorstellungen von Mengen und Zahlräumen. Denn erst diese Vorstellungen lassen eine Loslösung von der Realität zu und ermöglichen schnelles Rechnen im Kopf.

Förderung des Bewegungsgeschicks mit dem Mund und den Sprechwerkzeugen
- Entwicklung des Mundschemas: Die Kinder lernen für das Sprechen wichtige Teile kennen und benennen.
- Üben der bewussten Steuerung der Sprechwerkzeuge: Auf spielerische Art und Weise wird die Steuerung der Sprechwerkzeuge trainiert (Zungenspiele, Blasspiele, …).
Bewegungs- und sprachgestützte Übungen im Hinblick auf das Lesen und Schreiben
- Förderung der artikulatorischen Bewusstheit mit Hilfe von Mundpictogrammen: Die Kinder erkennen durch das Beobachten eigener Mundbewegungen im Spiegel und durch den Umgang mit den Mundbildern, welche Sprechwerkzeuge bei der Bildung der einzelnen Laute gebraucht werden.
- Förderung der phonologischen Bewusstheit:
- Erlernen des Zusammenlautens mit Hilfe der Mundbilder: Die Mundbilder sind eine Bewegungsanweisung an den Mund. Um das unten stehende Wort lesen zu können, müssen wir nur die dargestellten Mundbewegungen nachahmen.
Die Mundpictogramme erlauben es, die Lautsprache fassbar und so auch leicht analysierbar zu machen. Die Lautanalyse gilt als bedeutende Voraussetzung für den Erwerb der Schriftsprache.
Durch die Arbeit mit den Mundbildern wird den Kindern außerdem bewusst, welche Sprechwerkzeuge aktiv sind, wenn sie einen bestimmten Laut bilden. So müssen sich die Kinder nicht mehr nur auf das HERAUSHÖREN von Lauten verlassen, sondern können diese auch HERAUSSPÜREN.
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