Private Pädagogische Hochschule der Diözese Linz

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AuRELIA - Authentic Reflective Exploratory Learning and Interaction Arrangement

AuRELIA - Authentic Reflective Exploratory Learning and Interaction Arrangement

Projektleiter

Reitinger, Johannes (johannes.reitinger@ph-linz.at)

 

durchführende Institutionen

Private Pädagogische Hochschule der Diözese Linz (4020 Linz)

 

Beginnjahr Projekt

2010

Abschlussjahr Projekt

2011

 

Abstrakt

Die Methode des Entdeckenden Lernens ist nicht neu und wurde bereits vielfach definiert. Zentrales Kennzeichen dieser Methode ist, dass der Weg zum Unterrichtsziel nicht absolut festgelegt sein darf. „Er muss Chancen selbständigen Suchens auch über Irrwege hinweg offen halten. Auf höherem Niveau, methodisch reflektiert und mit umfänglicheren Aufgaben mag man auch von Forschendem Lernen sprechen. Dass es sich hierbei nicht um völlig unbetreutes Suchen handelt, sondern immer um ein den Kräften entsprechendes ‚guided discovery’, versteht sich schon aus dem Begriff des Unterrichts.“ (Glöckel 1996, S. 142)

Für Neber stellt das selbständige Experimentieren die komplexeste Form des Entdeckenden Lernens dar. Dabei müssen SchülerInnen im Extremfall auch Prozesse selbst organisieren und die Stufen a) Fragen stellen, b) Vorhersagen, c) Ausführen, d) Beobachten, e) Analysieren und f) Anwenden durcharbeiten (vgl. Neber in Arnold, Sandfuchs & Wiechmann 2006, S. 286). Das im Folgenden vorgestellte Konzept AuRELIA (Authentic Reflective Exploratory Learning and Interaction Arrangement) orientiert sich klar an dem Paradigma der konstruktivistischen Didaktik (vgl. Reich 2006) sowie dem universellen Verständnis von Forschung im weiter oben dargestellten Sinne. Es benötigt daher ein Phasenmodell, welches ausgewogene Verhältnismäßigkeiten von forschungsprozessorientierter Differenziertheit und lernprozessbezogener Offenheit zulässt und zugleich aber auch stärker als die von Neber dargestellte Struktur weiteren forschungsprozesstypischen Elementen, wie der Problemfindung, der methodischen Untersuchung, Bewertung und Ergebniskundgabe Bedeutung zumisst und somit Raum schafft. Die vom Autor definierte und vorgeschlagene Struktur, welche auch im Rahmen der weiteren Konzeption von AuRELIA verwendet wird, setzt sich aus den Phasen a) Emergenz, b) Vermutung, c) Konzeption, d) Untersuchung, e) Entdeckung, f) kritische Phase und g) Transfer zusammen.

AuRELIA beinhaltet einige weitere, konzeptionelle Merkmale (vgl. Reitinger 2007), die Lernprozesse und deren Ergebnisse in Struktur und Qualität beeinflussen und aufgrund dieses Einflusses auch eine methodische Weiterentwicklung des klassischen Entdeckenden Lernens einleiten. Die wichtigsten dieser Merkmale lassen sich wie folgt knapp zusammenfassen:

-          Methodisches Entdecken entsteht dann, wenn im Unterricht Fragen der Lernenden und das Bedürfnis einer Beantwortung dieser Fragen auftauchen. Die einleitende Forschungsfrage wirft also nicht generell der Lehrer oder die Lehrerin auf, sondern die Schüler bzw. die Schülerinnen (allgemeines Erkenntnisinteresse).

-       Die weiter oben erwähnten Phasen des AuRELIA-Konzeptes werden gemeinsam der Reihe nach beschritten (Methodenkonsens) auch beim Methodischen Entdecken beschritten. Hinzu kommt, dass in der überwiegend selbständigen und eigenmotivierten Durchwanderung des Prozesses zur Entdeckung eines noch nicht bekannten Sachverhaltes die Methode weiter in den Mittelpunkt rückt und gleichberechtigt mit dem Forschungsergebnis als zentraler Lerngegenstand fungiert. Die Schülerinnen und Schüler entdecken also sowohl das zu Erforschende als auch die dafür verwendete Methode.

-       Selbstbestimmtes Arbeiten, Vertrauensbasierung, Veranschaulichung, Strukturschaffung, Sicherheit und Differenzierung sind zentrale Prinzipien von AuRELIA. Die Erörterung insbesondere des Zusammenwirkens von offenen und geschlossenen Strukturen der Projektmethodik im Hinblick auf Differenzierungsmöglichkeiten ist mitunter eine Zielsetzung dieses Forschungsprojektes.

-       Das schließlich Entdeckte ist prinzipiell neu und wird daher veröffentlicht und diskutiert. Mittel hierfür gibt es viele (Internet, SchülerInnenzeitung, Lokalnachrichten, Forschungsjournal, Referate, Schulsymposien, Think Tanks,…). Der veröffentlichte Text stammt von den Schülerinnen und Schülern.

 

Erhebungstechniken und Auswahlverfahren

Projekte im Sinne von AuRELIA wurden im Schuljahr 2007/2008 in den 4 Hauptschulen HS Riedau, HS Aigen/Schlägl und HS 1 Schärding (Musikhauptschule Schärding und Neue Hauptschule Schärding) und im Schuljahr 2008/2009 ebenfalls an der HS 1 Schärding durchgeführt und anschließend im Journal für Methodisches Entdecken (Eigenverlag) veröffentlicht.

Nach ersten praktischen Erfahrungen mit diesem Konzept ergibt sich das Bedürfnis, der phänomenologischen und theoretischen Verankerung dieses Konzeptes nachzugehen. Um das AuRELIA-Konzept auf ein breites, wissenschaftlich argumentiertes Fundament zu stellen, werden im Zuge des Projektes folgende Fragestellungen bearbeitet:

-       Was leistet das Konzept im Sinne der Erhöhung der Selbstwirksamkeitserwartung?

-       Wie kann das komplexe methodische Konzept weiterentwickelt und dadurch unterrichtsorganisatorisch vereinfacht werden?

-       Welche didaktisch-methodischen Möglichkeiten es gibt, intrinsisch motivierte unterrichtsbezogene Fragestellungen in der Initiationsphase entdeckenden Unterrichts zu provozieren?

-       Welche Rolle spielen geschlossene Unterrichtstrukturen im prinzipiell offenen und selbstbestimmten Methodischen Entdecken?

Im Sommersemester 2011 startet eine diesbezügliche Evaluierung an zwei Praxisschulen der PH Diözese Linz. Coaches führen dabei AuRELIA-Projekte durch, die im Rahmen einer quantitativen quasiexperimentellen Studie begleitet werden.

 

Angaben zur Methode

Aufgrund der theoretisch-konditionalen Komplexität des Konzeptes und der nötigen praxisbezogenen Fundierung ist ein analytischer Zugang im Sinne von gegenstandsverankernder Theoriebildung als sinnvoll angewiesen. Daran anschließende kompakte empirische Untersuchungen verfolgen das Ziel der exakteren Einschätzung und eventuellen Standardisierung einzelner Unterrichtsakte innerhalb des komplexen Konzeptes. Eine zentrale allgemeine Fragestellung wird dabei u.a. sein, inwiefern sich die Lernenden durch Methodisches Entdecken bezüglich ihrer Handlungswirksamkeit verändern und evolvieren. Um die konzeptuelle, auf empirischen Erfahrungen basierende Weiterentwicklung von AuRELIA im schulpraktischen Kontext der Lehrinnen- und Lehrerausbildung von Beginn an zu verankern, werden als Untersuchungspartner interessierte Studierende sowie Praxisschulen zur Verfügung stehen.

 

Publikationen

Glöckel, H. (1996). Vom Unterricht. Lehrbuch der allgemeinen Didaktik. Heilbrunn: Klinkhardt.

Neber, H. (2006). Entdeckendes Lernen. In: K.-H. Arnold, U. Sandfuchs & J. Wiechmann (Hrsg.), Handbuch Unterricht (S. 284-288). Regensburg: Klinkhardt.

Reich, K. (2006). Konstruktivistische Didaktik. Weinheim: Beltz

Reitinger, J. (2007). Ich will wissen, also forsche ich! Schülerinnen und Schüler als Bildungs-forscher (Bereich Naturwissenschaften). PLUS LUCIS, Ausg. 1-2, S. 6-8. Wien: VFPC.

bm:uk OOE Lehrer- Kranken- und Unfallfürsorge Raiffeisen Landesbank OOE Education Highway - das Schulportal zum Bildungsangebot Veritas

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