AuRELIA in der Lehrer/-innenbildung
Projektleiter/-innen
Reitinger, Johannes (johannes.reitinger@ph-linz.at)
Hauer, Beatrix (beatrix.hauer@ph-linz.at)
durchführende Institutionen
Private Pädagogische Hochschule der Diözese Linz (4020 Linz)
Beginnjahr Projekt
2011
Abschlussjahr Projekt
2012
Abstrakt
AuRELIA ist ein siebenstufiges Konzept für forschendes Lernen, welches von Reitinger (2011a, 2011b) in Anlehnung an die Handlungsstufen des Lernens von Reich (2006) und dem naturwissenschaftlichen Erkenntnisgewinnungsprozesses nach Demuth et.al (zit. nach Parchmann in Messner 2009) konzipiert wurde.
Für Reitinger (2007, 2011b i.Dr.) erwiesen sich, bei der Durchführung von AuRELIA – Projekten bzw. Vorläuferprojekten, gerade auch in Bezug auf Interessensförderung, die Berücksichtigung folgende Prinzipien als sehr bedeutsam. a) Beziehungsarbeit mit dem Ziel, Vertrauen herzustellen und zu bewahren, schafft ein förderliches Fundament, auf welchem (nicht nur) forschende Lernarrangements überhaupt erst konstruktiv möglich werden (Prinzip des Vertrauens). b) Autonomie in der Auseinandersetzung mit neuen, persönlich wichtigen und anspruchsvollen Fragestellungen begünstigt anhaltendes Interesse und notwendige intrinsische Motivation (vgl. Decy & Ryan 2004, Hänze/Moegling 2004). Identifikation mit der Handlung spielt dabei eine wichtige Rolle (Prinzip der Selbstbestimmtheit). c) Eine motivierende vorbereitete Handlungsumgebung fördert die menschliche Erkenntnis, die Wahrnehmung und selbstbestimmte Denk- und Handlungsentwicklungen (Prinzip der Veranschaulichung). d) Das Gefühl der Sicherheit, welches der Lehrer bzw. die Lehrerin durch persönliches Dabeisein und individuell konkrete Orientierungshilfen gibt, begünstigt die notwendige permanente Evolution des Projektes (Prinzip der Sicherheit). e) Eine prozessbezogene Makrostruktur (forschungsprozessuale Struktur) schafft Orientierung, phasentypische Mikrostrukturen schaffen Möglichkeiten der Differenzierung und Personalisierung (Prinzip der Strukturierung). f) Die Berücksichtigung der Heterogenität von Lernenden einer Lerngruppe begründet sich aus deren Verschiedenheit sowie dem Recht der individuellen Entfaltung (Prinzip der Differenzierung/Individualisierung). (vgl. Reitinger 2011a, 2011b)
AuRELIA als offene Konzeption selbstbestimmten Lernens
AuRELIA setzt voraus, dass sich die Lernenden und Lehrenden interessensgeleitet gemeinsam auf die Suche nach einer neuen Erkenntnis machen. AuRELIA heißt damit Forschen im ureigensten Sinn. Damit verbunden ist die Verwirklichung des Konzepts der Freigabe der Lernwege und des Lernens über Eigenproduktionen (vgl. Peschel in Rihm 2008, 59; Reitinger, 2011b). Sich auf solche selbstbestimmte Wege aufzumachen, ohne ein konkretes inhaltliches Wissensziel vor Augen zu haben, funktioniert nicht in den Korsagen konventionell geschlossener Unterrichtsformen. Die kurz skizzierte theoretische Konzeption von AuRELIA lässt erahnen, dass im Rahmen von solchen Projekten eine Öffnung des Unterrichts auf unterschiedlichen Ebenen stattfindet.
AuRELIA ist aber nicht ausschließlich offen. Zur richtigen Zeit bereitgestellte konkrete direktive Inputs finden in den AuRELIA-Projekten durchaus statt und erschienen als erfolgsentscheidende Elemente der an und für sich offen strukturierten forschenden Lernprozesse.Angesichts dieser Erkenntnis ist AuRELIA gegenwärtig mehr ein pragmatisch – konstruktivistisches Konzept im Sinne von Müller (in Meixner/Müller 2009, 3; Reitinger, i.V.) als ein radikalkonstruktivistisches. Im Sinne Reichs (2006, 254; Reitinger , i.V.) könnte man diesen Anspruch mit dem Apell „so viel Konstruktion wie möglich“ auf den Punkt bringen.“
Forschungsinteresse und Hypothesen
Die Erstevaluierung von AuRELIA im Rahmen einer quasiexperimentellen Replikationsstudie an zwei Schulstandorten (Sekundarstufe I) zeigte eine hohe Wirksamkeit des Konzeptes hinsichtlich der a) der Erhöhung der allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartung, b) der Erhöhung der speziellen Selbstwirksamkeitserwartung hinsichtlich forschenden Handelns und c) der Erweiterung der subjektiven Konzepte betreffend der Bedeutung forschenden Handelns (vgl. Reitinger 2011c).
In einem nächsten Schritt wird im Rahmen einer quasiexperimentellen Studie die Lehrer/-innenbildung in des Fokus des Erkenntnisinteresses gerückt. Inwiefern AuRELIA auch in der Lehrer/-innenbildung, im speziellen im Rahmen der Naturwissenschaftsdidaktik in verschiedenen Dimensionen wirksam ist steht dabei im Zentrum der Forschungsbemühungen. Im Konkreten werden folgende Hypothesen untersucht:
H1 Die Umsetzung des AuRELIA-Konzeptes in der Lehrer/-innenbildung (Naturwissenschaftsdidaktik) erhöht die Lehrerselbstwirksamkeitserwartung (vgl. Schmitz & Schwarzer 2000) der Studierenden.
H2 Die Umsetzung des AuRELIA-Konzeptes in der Lehrer/-innenbildung (Naturwissenschaftsdidaktik) erhöht die Selbstwirksamkeitserwartung hinsichtlich der Umsetzung forschender Lernarrangements im Unterricht.
H3 Die Umsetzung des AuRELIA-Konzeptes in der Lehrer/-innenbildung (Naturwissenschaftsdidaktik) erhöht die Akzeptanz konstruktivistisch-selbstbestimmter Lernarrangements.
H4 Die Umsetzung des AuRELIA-Konzeptes in der Lehrer/-innenbildung (Naturwissenschaftsdidaktik) erhöht Umsetzungsbereitschaft konstruktivistisch-selbstbestimmter Lernarrangements.
Erhebungstechniken und Auswahlverfahren
Die Hypothesen werden im Rahmen einer quasiexperimentellen Parallelstudie getestet. Es werden hierzu zwei Treatmentgruppen (1. Sem und 3. Sem) getrennt untersucht. Mit jeder Treatmentgruppe werden eine No-Treatmentphase (Kontrollphase) und eine Treatmentphase mit Fragebogenerhebungen zu drei verschiedenen Zeitpunkten inferenzstatistisch hinsichtlich eventueller Veränderungen in oben erwähnten Dimensionen der H1 bis H3 beleuchtet.
Design:
Gruppe1 (1. Sem.): O1 no-X O2 X O3
Gruppe2 (3. Sem.): O1 no-X O2 X O3
Durch die Entscheidung für dieses Design entfällt die Notwendigkeit paralleler Kontrollgruppen.
Publikationen
Deci, E. L. & Ryan, R. M. (2004). An Overview of Self-Determination Theory. An Organismic-Dialetical Perspective. In: Deci, E.L./Ryan, R.M. (Eds.). Handbook of Self.Determination Research. Rochester, 3 - 36
Hänze, M. & Moegling, K. (2004). Forschendes Lernen als selbständigkeitsorientierte Unterrichtsform: Persönliche Voraussetzungen und motivationale Wirkmechanismen. In: Psychologie in Erziehung und Unterricht, 51, 113-125, München.
Müller, K. (2009): Der Pragmatische Konstruktivismus. Ein Modell zur Überwindung des Antagonismus von Instruktion und Konstruktion. In: Meixner, J./Müller, K. (Hrsg.). Konstruktivistische Schulpraxis: Beispiele für den Unterricht. Weinheim 3-48
Parchmann, I. (2009): Alltagsorientierung in den Naturwissenschaften. Forschendes Lernen im Chemieunterricht. In: Messner, R. (Hrsg.): Schule forscht. Ansätze und Methoden zum forschenden Lernen. Hamburg, 77-88.
Reich, K. (2006): Konstruktivistische Didaktik. Lehr- und Studienbuch mit Methodenpool. 3.Auflage. Weinheim und Basel.
Reitinger, J. (2007): Ich will wissen, also forsche ich! Schülerinnen und Schüler als Bildungsforscher (Bereich Naturwissenschaften). PLUS LUCIS, 15 (1-2), 6-8. (http://pluslucis.univie.ac.at/PlusLucis/071/s0608.pdf). (14-09-2011).
Reitinger, J. (2011a). Das AuRELIA-Konzept – Interessensförderung durch methodischstrukturierte Öffnung des naturwissenschaftlichen Unterrichts. Schulpädagogik heute, 2 (3). (http://www.schulpaedagogik-heute.de). (14-09-2011).
Reitinger, J. (2011b): Schüler als Bildungsforscher. Forschender Unterricht nach dem AuRELIAKonzept als Herausforderung am Gymnasium. In: Lin-Klitzing, S./Di Fuccia, D./Müller-Frerich, G. (Hrsg.): Siegt sich das Gymnasium zu Tode?. Reihe Gymnasium – Bildung –Gesellschaft. Bad Heilbrunn.
Reitinger, J (2011c): AuRELIA- Authentic Reflective Exploratory Learning and Interaction Arrangement. Forschungprojektpräsentation. Scientific Staff Exchange PH Zürich. 26.05.2011.
Schmitz, G. S. & Schwarzer, R. (2000): Selbstwirksamkeitserwartung von Lehrern: Längsschnittbefunde mit einem neuen Instrument. Pädagogische Psychologie, 14 (1), 12-25.

Forschungsprojekte
VaKE I
Kooperationsprojekte





