L.E.V. Marktplatz 2019

ein Ort gelebter Vielfalt

Bereits zum sechsten Mal fand heute am 20. November 2019 der so genannte Marktplatz an der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz statt, wo das Projekt L.E.V. – das steht für Lernen. Engagement. Verantwortung -  den Erstsemestrigen sowie allen anderen Studierenden und interessierten Pädagoginnen und Pädagogen im Rahmen einer großen Veranstaltung vorgestellt wurde.

Dank der großartigen Kooperation mit ULF – dem Unabhängigen LandesFreiwilligenzentrum OÖ – stellten wieder an die 30 oberösterreichische NGOs ihre Arbeit und ihre Projekte vor und beantworteten Fragen der interessierten Teilnehmer/-innen.

Nach der Eröffnung von Rektor Dr. Franz Keplinger und Cornelia Kittinger BA MA, der Leiterin des Instituts Ausbildung, sprach Altbischof Dr. Maximilian Aichern über soziales Engagement aus christlicher Perspektive und auch über seine eigenen Bemühungen soziale Verbesserungen auch in der Politik zu erlangen. Errungenschaften, für die er gekämpft hatte, sind zum Beispiel die Umweltverträglichkeitsprüfung und die Sozialverträglichkeitsprüfung von neuen Gesetzen. Aber es ist immer noch viel zu tun. „Ein Fünftel der Menschen in Österreich ist von Armut betroffen, das darf uns nicht gleichgültig sein!“, meinte Altbischof Aichern in seinem Aufruf zu sozialer Verantwortung. „Gerechtigkeit und Solidarität sind entscheidende Grundlagen, auf die Friede und Dialog aufbauen. Erziehung zum Frieden kann nur in einem Dialog geschehen.“

Danach berührte die Nachostexpertin Mag.a Petra Ramsauer das Publikum in ihrer Rede zu Krieg und Gewalt. Sie betonte die enorm wichtige Rolle, die die Schule bei der Aufnahme und Integration von geflüchteten Menschen einnimmt und erzählte davon, dass die Menschen aus Krisengebieten kein Vertrauen in Obrigkeiten gewinnen konnten und ihnen somit „das Konzept des guten Staates“ fehlt.

Bei der anschließenden Talkrunde sprach dann Landesrätin Birgit Gerstorfer von der gesellschaftlichen Bedeutung von sozialem Engagement und ihren eigenen Erfahrungen mit den Nöten einer Flüchtlingsfamilie. „Es geht darum“, so Gerstorfer, „dass Menschen, egal ob sie jung sind oder alt, ob sie Beeinträchtigungen haben oder nicht, ob sie aus Österreich kommen oder nicht, dass sie Chancen haben, ihrem Leben einen Sinn zu geben.“  

Die Leiterin des ULF, Mag.a Nicole Sonnleitner, erzählte wiederum, dass sie diese Arbeit seit 11 Jahren mit Begeisterung macht, obwohl es viele Hürden und negative politische und gesellschaftliche Entwicklungen gibt: „Für mich ist freiwilliges Engagement eine sehr gute Möglichkeit mit dieser Ohnmacht umzugehen, weil man wieder handlungsfähig wird und weil man weiß, ich leiste einen Beitrag, ich übernehme Verantwortung und das treibt mich an.“

Mag.a Elisabeth Hueber-Mascherbauer, die Leiterin von L.E.V., erklärt ihren Einsatz für dieses Projekt mit den Worten: "Ich möchte, dass wir Lehrer über unseren Tellerrand hinausblicken (…) und ich denke mir immer, wir Lehrer haben so eine große Macht und auch so eine Verantwortung, hier wirklich Kinder aufzubauen!"

Souverän durch das Programm führten am Vormittag Claudia Trauner und Danièle Hollick und am Nachmittag Astrid Leitner.

Die Vorträge waren auch sehr gut besucht. Mag.a Petra Ramsauer setzte mit ihrem Vortrag vom Vormittag fort und ging näher auf die aktuelle Situation im Nahen Osten und die historischen Zusammenhänge ein.

Danach widmete sich Dr.in Christine Stelzer-Orthofer, Soziologie-Professorin an der JKU, in ihrem Vortrag den Entwicklungen im österreichischen Sozialstaat, wo es immer wieder Maßnahmen der Inklusion, aber auch der Exklusion gibt.

Die Gender-Expertin Dr.in Marty Huber gab dann noch wertvolle Inputs zum Themengebiet sexuelle Vielfalt und vermeintliche Normalität. Sie berichtete beispielsweise von der Tatsache, dass man bei einer eingetragenen Partnerschaft zunächst seinen Familiennamen verlor und meinte: „Es ist wissenschaftlich nicht haltbar, dass es nur zwei Geschlechter gibt.“

Das Publikum zeigte sich sehr interessiert an diesen vielfältigen Themen und motiviert, auch selbst mit Zivilcourage und etwaigem ehrenamtlichem Engagement ein Stück weit zu einer sozialeren Gesellschaft beizutragen.

(Text: Nina Brlica)

Vortrag: Ass. Prof. Dr. Christine Stelzer-Orthofer
Vortrag: Vormittag - Keynote
Vortrag: Nachnittag

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