Nachlese zur Ausstellungseröffnung „Kinder im Exil“

von Mag. Wilhelm Schönangerer

Die Kinder sind es, die dafür sorgen, dass es gut weitergeht, vor allem, wenn die Umstände das Gegenteil wahrscheinlich machen. Wenn es um das Überleben der Familie geht, teilen sie wie selbstverständlich das Schicksal ihrer Eltern und flüchten in ein unbekanntes Land, lernen eine fremde Sprache. Sie helfen ihren Eltern beim Neubeginn, wenn sie nicht überhaupt allein auf die Reise geschickt werden und als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge den Weiterbestand der Familie zu sichern versuchen. Sogar Bertolt Brecht, der nicht daran glaubte, dass individuelles Gutsein für eine bessere Welt ausreicht, setzt seine Hoffnung auf die Kinder. Im „guten Menschen von Sezuan“ ist es das ungeborene Kind der Liebenden Shen Te, das diese Hoffnungen trägt. Mit seiner Frau und den beiden Kindern sucht er wie viele andere Künstler nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 Zuflucht vor Verfolgung. Er findet sie zunächst in Dänemark, später dann in den USA.
Wenn sich nun eine Ausstellung mit diesen „Kindern im Exil“ beschäftigt, so zeigt sie uns an einem historischen Beispiel den Mut und die Kraft von Kindern, das Leben in all seiner Gefährdung zu bewahren, weiterzuführen und damit gleichzeitig Krieg, Diktatur und Not zu überwinden. Daran mögen wir uns erinnern, wenn wir dazu neigen, Flüchtlinge lediglich als Last für die Gesellschaft wahrzunehmen und nicht begreifen, was wir durch sie gewinnen. Die am 26. April in der Aula der Hochschule eröffnete Ausstellung der Akademie der Künste in Berlin geht den Spuren von 26 Kindern von Künstlern zwischen 1933 und 1945 in Fotografien und Dokumenten nach. Eine liebevoll zusammengestellte Begleitbroschüre versammelt die Geschichten von neun dieser Kinder. Das mit orientalischer Musik untermalte Programm der stimmungsvollen Ausstellungseröffnung hat eine Ahnung davon vermittelt, wie wir uns dem Thema der Flucht anders zuwenden können, als es im medialen Mainstream geschieht.

Gerade die Schreckenszeit des Nationalsozialismus braucht als Antwort eine Überzeugung davon, wie es gut weitergehen kann. Die Kinder haben sich dieser Aufgabe gestellt. Manche von ihnen, wie der 1945 im Exil geborene Thomas Brasch, eines der 26 Kinder der Ausstellung, haben dafür ihr Glück gegeben und keinen Weg aus innerer Zerrissenheit gefunden:

"Was ich habe, will ich nicht verlieren, aber
wo ich bin will ich nicht bleiben, aber
die ich liebe will ich nicht verlassen, aber
die ich kenne will ich nicht mehr sehen, aber
wo ich lebe will ich nicht sterben, aber
wo ich sterbe, da will ich nicht hin
bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin."

Die Ausstellung ist noch bis 5. Juni in der Aula der Hochschule geöffnet (werktags 9:00 – 16:00). Führungen werden nach Vereinbarung angeboten. Schüler aller Schultypen sind herzlich eingeladen. Anmeldung Elisabeth.reese[at]ph-linz.at

 

VIDEO: https://www.edugroup.at/bildungstv/detail/ausstellung-kinder-im-exil.html