Gelebte Vielfalt

Rückblick

„In der Schule von morgen können auch die Lehrer und Lehrerinnen eine Beeinträchtigung haben, zum Beispiel im Rollstuhl sitzen. … Es soll keine Strafen geben und keine Noten und kein Sitzen bleiben.“

Beim diesjährigen L.E.V.  Marktplatz – Ort gelebter Vielfalt - am 25. Oktober 2022 präsentierten Cornelia Pfeiffer und Markus Moser, Mitglieder der Inklusiven Redaktion der Caritas, ihre persönlichen Vorstellungen von einer Schule von morgen, wo nach Pfeiffer „alle Kinder lernen sollen, Verantwortung zu übernehmen“ und wo Lehrkräfte mit Geduld und Respekt alle Kinder gleich wertschätzend behandeln.

Auch der Rektor der PHDL, Mag. Dr. Franz Keplinger, hat die Vision einer Schule, deren vorrangigstes Ziel die Menschlichkeit ist, und forderte alle auf, sich immer wieder zum Ziel zu setzen ein Stück weit menschlicher zu werden.

Der Soziallandesrat Dr. Wolfgang Hattmannsdorfer bezog sich in seinem Statement auch darauf, dass für die wichtigen Fragen, die uns als Gesellschaft betreffen, nicht nur der Staat zuständig sein kann. An die Studierenden gerichtet meinte er: „Wenn wir eine Verantwortungsgesellschaft etablieren wollen, kommt es auf Sie an, auf die Lehrkräfte von morgen.“

Sehr angetan vom Servicelearning-Projekt L.E.V. zeigte sich auch die Sprachwissenschafterin und em. Universitätsprofessorin Dr. Ruth Wodak, welche in ihrem Vortrag ihre Studie zur österreichischen Identität präsentierte. Bei der Frage „Wer sind wir?“ gilt es immer zu beachten, welches „Wir“ damit gemeint ist, ein inklusives für alle, die hier in Österreich leben oder eines, das nur für Staatsbürger*innen gilt oder ein historisches, welches sich auf kollektive Erinnerungen bezieht. Ihre Diskursanalyse zur österreichischen Identität fokussierte sich auf die Abgrenzung zum anderen und die Aufnahmepolitik und Willkommenskultur im Hinblick auf Flüchtlinge und andere Migrant*innen.

Für unsere momentane Situation der mehrfachen Krisen rät sie zu ruhigem, überlegten Agieren: „Man kann nicht alles lesen und 24 Stunden lang empört sein, wir sind von der Poly Crisis erschlagen, ich rate hier zu reflektierter Entschleunigung.“

Zur Abrundung des Vormittags stellte noch Mag. Hannes Pölzgutter, der Geschäftsführer der Allianz für Kinder, die Tätigkeit dieser NGO vor.

Nach dem eigentlichen Marktplatzgeschehen, wo sich die Studierenden bei den unterschiedlichsten oberösterreichischen Organisationen über Möglichkeiten des freiwilligen Einsatzes informieren konnten, brachte noch Dr. Leo Ho, der Präsident von Ärzte ohne Grenzen Österreich, das Publikum mit seinem eindringlichen Plädoyer für Diversität und Gleichgewicht in allen Bereichen zum Nachdenken.

Auch für lebensrettende Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen, welche 1971 in Paris gegründet wurde und derzeit in über 70 Ländern und dabei vor allem in Afrika und Asien tätig ist, stellen sich große Herausforderungen im Hinblick auf Diversität bzw. das DEI-Konzept.

DEI steht für die Begriffe Diversity, Equity und Inclusion, welchen sich alle Organisationen verpflichtet fühlen sollten.

Nach spannenden Vorträgen und interessanten Gesprächen - auch mit den Vertreter*innen der NGOs - können die Eindrücke dieses L.E.V. Marktplatzes – Ort gelebter Vielfalt – bei den Besucherinnen und Besuchern noch nachwirken.

Programm
Fotos der Veranstaltung (Copyright by Land OÖ)