Neue Autorität

Mit diesem Angebot begleiten wir Schulen, die ein eigenständiges Konzept der Beziehungsgestaltung an ihrem Standort entwickeln wollen, etwa im Zuge eines SQA-Prozesses.

Dabei beziehen wir uns hauptsächlich, aber nicht ausschließlich auf das Modell der "Neuen Autorität", wie es der israelische Psychologe Haim Omer in seinen Veröffentlichungen dargestellt hat.

Ziel ist es, "Stärke statt Macht" - so ein Buchtitel - im Schulleben so zu verankern, dass eine gemeinsame soziale und emotionale Basis entsteht, auf der ein gelingender Unterricht aufbauen kann.

Das Projekt umfasst in seiner Grundform insgesamt 28 Einheiten und kann innerhalb eines SQA-Zyklus von zwei Jahren umgesetzt werden. Die Basismodule können beliebig mit unterstützenden und/oder begleitenden Modulen kombiniert werden, sodass auch ein kürzerer oder längerer Verlauf denkbar ist. Die Module können auch einzeln und in beliebiger Zusammensetzung gebucht werden.

Die Auftragsklärung geschieht in einem Erstgespräch, idealerweise mit der Schulleitung und einem kleines Lehrerteam, dem das Projekt ein besonderes Anliegen ist. Gemeinsam wird der Ablauf besprochen und werden Termine vereinbart. Mögliche Schwerpunkte und spezifische Anliegen werden diskutiert. Die Ergebnisse des Erstgesprächs fließen in eine schriftliche Kooperationsvereinbarung ein, die von beiden Partnern (Schule und Beratungszentrum) unterschrieben wird. Sie stellt die Basis für die Projektbegleitung dar, die immer wieder überprüft und gegebenenfalls adaptiert wird.

Der Abschluss des Projekts wird in einer kleinen Feier gewürdigt. Gemeinsam blicken wir auf das, was erreicht wurde. Die Schule wird Teil eines aktiven Netzwerks "Neue Autorität und Schule", das untereinander in Kontakt bleibt, sich gegenseitig unterstützt und gemeinsam weiterentwickelt.

 

Kurzbeschreibung der Module:

I. Basismodule

1. Einführung (4EH)

An diesem Modul nimmt am besten das gesamte Lehrerplenum teil. Es dienst der Herstellung einer gemeinsamen Wissensbasis. Die Teilnehmerinnen lernen die sieben Säulen der Neuen Autorität als Entwicklungsspirale kennen (Präsenz und wachsame Sorge / Selbstkontrolle und Deeskalation / Transparenz / Netzwerke /Protest und gewaltloser Widerstand / Wiedergutmachung / Beziehungsgesten).

Sie finden Anhaltspunkte für deren Anwendung sowohl im Kontext der individuellen Beziehungsgestaltung mit einzelnen Schülern, vor allem wenn sie ein schwieriges Verhalten zeigen, als auch im Kontext des systemischen Zusammenwirkens von Schülerinnen und Schülern, Lehrern und Eltern in der Organisation Schule.

2. Reflexion 1 (3EH)

Je nach Größe der Schule können daran etwa acht bis zwölf Personen teilnehmen. Im Zentrum steht die Erfahrung von Präsenz, die man als Basisqualität der Neuen Autorität bezeichnen kann. Im Präsenzgefühl gewinnen wir Zugang zu unseren primären Energien. Es geht also darum, aufmerksam zu werden für den augenblicklichen Zustand, in dem wir uns befinden. Kern der Präsenzerfahrung ist die achtsame, nicht beurteilende Wahrnehmung dessen, was ist, also Akzeptanz. Präsenz ist die größte Kraft, die wir haben. Sie ist die Quelle aller Interventionen in der Neuen Autorität.

3. Prozessbegleitung "Wachsame Sorge" (12EH)

Das Kernelement unseres Angebots ist in drei Teile untergliedert, denen, der Entwicklungsspirale folgend, jeweils zwei Säulen der Neuen Autorität zugeordnet sind, die insgesamt die zentrale Säule der Präsenz unterstützen.

3.1. Umgang mit Konflikten (4EH)

Die erste Reaktion der Lehrerin oder des Lehrers auf einen sich anbahnenden Konflikt entscheidet darüber, ob es in eine konstruktive oder destruktive Richtung geht. Gelernt werden soll, Konfliktsituationen so gelassen und kontrolliert wie möglich zu begegnen.

3.2. Protest und Widerstand (4EH)

In schwierigen Situationen Unterstützung zu suchen ist ein entscheidendes Merkmal der Neuen Autorität. Gemeinsam haben Menschen mehr Gewicht und Stärke zum Handeln. Die Teilnehmer lernen, Entschlossenheit und Verbundenheit deutlich und sichtbar zu machen.

3.3. Schulhauskultur (4EH)

Es geht um die Frage, wie das System Schule immer wieder in ein neues Gleichgewicht kommen kann. Das gelingt durch den Aufbau einer konsistenten gemeinschaftsfördernden Schulkultur, die einen verantwortlichen und professionellen Umgang mit allen Schulpartnern unterstützt.

4. Reflexion 2 (3EH)

Im Mittelpunkt steht der Austausch über persönliche Erfahrungen mit herausfordernden Situationen im Schulalltag und die Integration des bisher Gelernten.

5. Führungscoaching (2EH)

In einem Gespräch der Prozessbegleitung mit der Schulleitung werden Möglichkeiten ausgelotet, das Konzept der Neuen Autorität in den persönlichen Führungsstil des Schulleiters zu integrieren.

II. Begleitmodule

B1: Classroom-Management (4EH)

Eine gemeinsame Werteorientierung sowie die Umsetzung geeigneter Regeln und Rituale sind wesentliche Bestandteile eines wirksamen Classroom-Managements. Es hat die Aufgabe, einen störungsfreien Unterricht für Lehrer und Schüler zu gewährleisten, und Emotionen, die den Zusammenhalt der Klasse bedrohen könnten, einzugrenzen und ein positives Lernklima zu unterstützen. Um zu einem geordneten Klassenzimmer zu kommen, brauchen die Lehrer klare Vorstellungen davon, welche Maßstäbe ihnen wichtig sind, sowie die Energie, sich dafür einzusetzen, dass die Maßstäbe eingehalten werden.

B2: Klassenrat (4EH)

Der Begriff "Klassenrat" stammt von Célestin Freinet. Er bezeichnete so eine wöchentlich stattfindende Runde zur gemeinsamen Unterrichtsplanung und -Besprechung und zur Reflexion des sozialen Klimas mit seinen Schülern. Im Klassenrat kann vor allem das emotionale und soziale Lernen der Schüler/innen gezielt und regelmäßig gefördert werden. Das Modul beschreibt, was im Klassenrat geschieht und wie er durchgeführt werden kann.

B3: Trainingsraum (4EH)

Der Trainingsraum ist, richtig durchgeführt, ein Hilfsangebot für häufig störende Schüler/innen, damit sie ihr Sozialverhalten verbessern, die notwendigen sozialen Schlüsselqualifikationen erwerben und ihr Recht auf Unterricht wahrnehmen können. Gleichzeitig sollen die lernbereiten Schüler in ihrem Recht auf Unterricht geschützt und ihnen entspannter, ungestörter und qualitativ guter Unterricht angeboten werden. Alle Schüler lernen sich somit als Teil eines Systems zu verstehen, in dem jede Handlung Auswirkungen auf jeden Teilnehmer des Systems inklusive des Handelnden selbst hat. Die "Störer" werden verstärkt angeleitet, Verantwortung für ihre Tun und Handeln zu übernehmen und die Rechte anderer zu respektieren. Die anderen Schüler werden verstärkt angeleitet sich auf ihre persönliche Aufgabe zum Erreichen eines gemeinsamen Ziels zu konzentrieren.

B4: No Blame Approach (4EH)

Es handelt sich um eine wirksame, lösungsorientierte Vorgehensweise, Mobbing unter Schülerinnen und Schülern zeitnah und nachhaltig zu beenden. Die besondere Faszination des Ansatzes liegt darin, dass - trotz der schwerwiegenden Mobbing-Problematik - auf Schuldzuweisungen und Bestrafungen verzichtet wird. In allen Schritten der Durchführung richtet sich der Blick darauf, konkrete Ideen zu entwickeln. Fokussiert wird dabei ausschließlich auf Lösungen, die dazu beitragen, das Mobbing zu stoppen.

III. Unterstützungsmodule

U1: Achtsamkeitstraining (12EH)

Belastende Gefühle sind besonders im Lehrberuf unvermeidlich. Das Erkennen und Bearbeiten von äußeren wie inneren Belastungsfaktoren ist daher von enormer Wichtigkeit für die psychische und physische Gesundheit, für Wohlbefinden und Arbeitszufriedenheit, für die Qualität von Unterricht und für die Beziehung zu den Schülerinnen und Schülern, die Lernatmosphäre und für die Zusammenarbeit im Kollegium.

Präsenz durch Achtsamkeit ermöglicht uns auf eine hilfreiche Weise mit belastenden Gefühlen und den Herausforderungen des Schulalltags umzugehen. Ziel des Trainings ist es eine wohlwollende Haltung für sich selbst zu entwickeln und dadurch im Schulalltag mit Stärke und Präsenz den Schülerinnen begegnen zu können.

U2: Supervision (12EH)

Ein ideales Setting für eine Form der Selbstreflexion als Grundlage für die Anwendung der Entwicklungsspirale der Neuen Autorität stellt unseres Erachtens die Teamsupervision dar. Ausgangspunkt der Supervision sind Fallbesprechungen. Mittelpunkt wäre die bislang vernachlässigte, zentrale Frage der Autorität, also der Beziehungsgestaltung. Lehrer können so neue Möglichkeiten für sich erschließen, eine primäre Aufgabe ihres professionellen Selbstverständnisses reflektieren zu lernen.

Die Teamsupervision ist auch der geeignete Rahmen, die geschilderten Situationen prozesshaft zu begleiten und in Teamprozesse zu integrieren. Die in der Supervision gewonnenen Erfahrungen können in eine kollegiale Intervision übergeführt werden.

Kontakt

Schönangerer Wilhelm

Schönangerer Wilhelm, Mag.