Forschungshorizonte

Die drei Forschungshorizonte der PHDL fungieren als wertorientierter Deutungsrahmen, der christliche Sozialethik mit internationalen bildungswissenschaftlichen Diskursen sowie dem Ansatz der Futures Literacy dialogisch verschränkt. 

Als formale Leitorientierungen markieren sie keine inhaltlichen Vorgaben, sondern profilieren eine wissenschaftlich offene Forschung, die gegenwärtige Bildungsfragen im Sinne einer gesellschaftlichen Verantwortung konsequent auf zukünftige Herausforderungen hin antizipiert und ausrichtet.

FH 1: Freiheit in Verantwortung

Die PHDL forciert eine Bildung und Forschung, die im Rahmen eines solidarischen Miteinanders der Mit- und Selbstbestimmung, der Befreiung, der Selbstermächtigung und dem zufriedenen, gerechten und würdevollen Leben dienen (Papst Franziskus, 2019, S. 18). 

"Freiheit in Verantwortung" wird dabei nicht als abstraktes Ideal oder moralische Setzung verstanden, sondern als relationales, gesellschaftlich eingebettetes und entwicklungsfähiges Grundbedürfnis des Menschen. Dieser Horizont knüpft sowohl an christlich-emanzipatorische Freiheitsverständnisse als auch an säkulare wissenschaftliche Bildungstheorien an, in denen Freiheit als reale Verwirklichungschance, als demokratische Teilhabe und als kritische Selbst- und Weltaneignung konzipiert ist.

Forschungsbemühungen, vor allem im Rahmen der Arbeit in den Forschungsschwerpunkten, sollen sich daher zukünftig verstärkt mit der Freiheitsthematik beschäftigen und dabei berücksichtigen, dass Freiheit konsequent im Kontext des Verantwortungsprinzips diskutiert wird. Mit Blick auf das Forschungsfeld ist das Augenmerk beispielsweise auf partizipationsorientierte Lerngelegenheiten zu richten, die sich nicht exklusiv an den Curricula orientieren, sondern zudem an den Anliegen der Lernenden sowie den noch antwortoffenen Fragen rund um zukünftige pädagogische Herausforderungen.

Weiter ist Forschung erwünscht, die sich mit Dynamiken der Fremdbestimmung beschäftigt und daraus Erkenntnisse gewinnt, die der Befreiung des Individuums und der Gesellschaft unter Berücksichtigung des Prinzips der Gerechtigkeit dienlich sind. Die Verhältnisse von Selbst- und Fremdbestimmung, Partizipation und Steuerung, Eigenverantwortung und Fürsorge können in verschiedensten für den Bildungsbereich relevanten Kontextualisierungen Thema von Forschung sein. Damit werden auch zukunftsorientierte Fragestellungen, die sich mit unterschiedlichen Diversitätskategorien beschäftigen, für diesen Forschungshorizont relevant.

FH 2: Friede in Achtsamkeit

Mit dem Forschungshorizont “Friede in Achtsamkeit” fasst die PHDL eine Bildungs- und Forschungspraxis ins Auge, die der persönlichen, interpersonellen und gesellschaftlichen Kompetenz der friedlichen Lebensgestaltung, der achtsamen Begegnung mit Mitmenschen und des gewaltfreien gesellschaftlichen Miteinanders im höchstmöglichen Maße zuträglich ist. Die PHDL ist eine Hochschule, die im Sinne des Globalen Bildungspaktes der Katholischen Kirche „nicht neutral ist, sondern für den Frieden steht“ (Papst Franziskus, 2019, S. 20). 

Frieden wird dabei nicht nur als Abwesenheit von Gewalt verstanden, sondern als aktive, lern- und gestaltbare Kompetenz auf persönlicher, interpersoneller und gesellschaftlicher Ebene. Dieser Horizont verbindet kirchliche Friedensethik mit internationalen friedenspädagogischen, sozial- und emotionsbezogenen bildungswissenschaftlichen sowie konflikttheoretischen Diskursen. Achtsamkeit wird sowohl als personale Haltung als auch als professionelle pädagogische Kompetenz verstanden, die Empathie, Beziehungsfähigkeit, Selbstregulation und Verantwortung für andere umfasst.

Im Rahmen der Forschung an der PHDL wird hier – ähnlich wie in der curricularen Entwicklung und Lehrtätigkeit – ein richtungsweisender Horizont gesetzt. Projekte, die sich mit der Thematik des friedlichen Miteinanders, der Friedenssicherung, der konstruktiven Lösung von Konflikten, der Stärkung und des Schutzes schwächerer und benachteiligter Individuen und Gruppen (z. B. Beschäftigung mit der Thematik des Kinderschutzes) sowie der Gerechtigkeit befassen, sind an der PHDL ausdrücklich erwünscht. 

Dabei geht es nicht um Friedensforschung im engeren Sinne. Primär geht es um die wissenschaftliche Beschäftigung mit Phänomenen und Dynamiken, die auf unterschiedlichsten Ebenen mit Erfahrungen der Achtsamkeit, der Eintracht, der Solidarität, der Geborgenheit, der Gewaltfreiheit, der Versöhnung, der Heilsamkeit und nicht zuletzt auch der Spiritualität in Verbindung stehen (Papst Leo XIV., 2025).

FH 3: Schöpfungsbewahrung in Demut

In einem klaren Bekenntnis zur Kernaufgabe der "Schöpfungsbewahrung in Demut" widmet sich Bildung und Forschung an der PHDL der kritischen Reflexion und der wissenschaftlichen Analyse von Fragen zum respektvollen Umgang mit zur Verfügung stehenden Ressourcen, zum Innovationsverständnis im Dienst des Gemeinwohls und der Umwelt sowie zur nachhaltigen Entwicklung (Papst Franziskus, 2019, S. 19). 

Demut wird dabei nicht als moralische Selbstbegrenzung, sondern als erkenntnis- und verantwortungsethische Haltung verstanden, die die Begrenztheit menschlicher Verfügungsmacht anerkennt. Eine weitere Zielsetzung ist der Transfer diesbezüglicher Wissensaggregate und Erkenntnisse, um den Aufbau und die Stärkung von Handlungsfähigkeit und Handlungswillen, die in Summe der Wahrung der Schöpfung dienlich sind, zu unterstützen.

Dieser Horizont verbindet christliche Schöpfungsethik mit internationalen theorie- und forschungsbasierten Diskursen der Bildung für nachhaltige Entwicklung, der Umweltethik und der Nachhaltigkeitsforschung. 

Ziel ist eine Forschung, die ökologische, soziale, kulturelle und technologische Dimensionen von Verantwortung zusammendenkt. Forschung an der PHDL soll sich in diesem Sinne zukünftig einerseits verstärkt mit Fragestellungen zur Bildung für nachhaltige Entwicklung auseinandersetzen. Andererseits soll dieser Forschungshorizont aber auch eine intensivierte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Begriff der Schöpfungsverantwortung aus Perspektive unterschiedlicher Disziplinen – wie etwa Bildungstheorie, Philosophie, Theologie oder Medienbildung – motivieren.

Weder Freiheit, Friede noch Schöpfungsbewahrung lassen sich als ethisches Dekret in der PHDL-Forschung verstehen bzw. vorgeben; vielmehr dient diese Metaebene als offener Orientierungsrahmen, der eine profilierte institutionelle Identität mit der notwendigen Freiheit und Vielfalt moderner Wissenschaft verbindet.

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