Historisch denken im KI-Zeitalter

Bildung

GDÖ-Jahrestagung an der PHDL

Dr. Wolfgang Bilewicz (PHDL) bei der GDÖ-Jahrestagung am Linzer Salesianumweg

Linz – 17. September 2026

Gleich zu Beginn der heutigen GDÖ-Jahrestagung (Gesellschaft für Geschichtsdidaktik Österreich) an der PHDL bemerkte Obfrau Dr.in Andrea Brait, dass mit “generativer Intelligenz” eine maßgebliche Veränderung auf uns zukommt: 

“Die Fähigkeit, nach der Herkunft einer Information zu fragen, Gegenproben zu prüfen, Quellen miteinander zu vergleichen und ihre Entstehungsbedingungen zu analysieren, wird unter diesen Bedingungen noch wichtiger.”

KI als strategisches Thema

Tatsächlich ist das eine der aktuell brennendsten gesellschaftlichen Schlüsselkompetenzen. „Wir haben deshalb im Rektorat beschlossen, uns dem Thema KI zukünftig noch stärker zu widmen: wir brauchen dazu eine differenzierte Darstellung", verriet PHDL-Rektor HS-Prof. PD Dr. Johannes Reitinger bei seinen Grußworten. 

Tagungsthema: “Demokratie lernen”

“Genau diese Verbindung von historisch-politischem Denken und Demokratie wollen wir in den kommenden Tagen aus verschiedenen Perspektiven beleuchten”, ergänzten Dr. Wolfgang Bilewicz (PHDL) sowie Mag. Lorenz Prager (PH OÖ) aus dem Organisationsteam zur Fachtagung: “Wir wollen damit einen Beitrag leisten, dass junge Menschen zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern werden.”

Key Note: Quellenkritik wird noch wichtiger

In ihrer erhellenden Key Note zum gleichnamigen Tagungsthema “Demokratie lernen” zog Univ.-Prof.in Dr.in Jessica Kreutz (Universität Passau) dann mit einem Blick auf Platon eine direkte Linie von der Antike in die Gegenwart: „Popularität wird heute durch digitale Algorithmen verschärft, Schmeicheleien durch digitale Anonymität und Reichweite, Manipulationen durch entsprechende digitale Techniken.“ Aus heutiger Sicht: digitale Verschärfungen alter Gefahren.

Checkliste gegen Desinformation

Kreutz betonte die besondere Rolle der Historischen Grundwissenschaften als konkretes Werkzeug gegen Desinformation. 

Statt klassische Quellenkritik lediglich auf Inhalte zu beziehen (Wer hat die Quelle verfasst?, Wann entstand sie? Was ist wahr geschehen?), plädiert sie für eine Erweiterung um eine (digitale) Objektkritik (Wann und von wem stammt der Informationsträger?, Warum, wie und in welcher Form liegt er vor?): also den Informationsträger selbst – Datei, Screenshot, Post, Scan oder Video.

Wer Desinformation im KI-Zeitalter erkennen will, sollte auch fragen, woran die Information hängt, wie sie vorliegt und was daran verändert oder weggelassen wurde. Ihre Checkliste aus Echtheit, Unversehrtheit und Vollständigkeit stellte sie dem Fachpublikum vor.

Weiterführende Links

GÖD-Jahrestagung 2026

An der Privaten Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz (PHDL) findet am 17. und 18. September 2026 die Jahrestagung der Gesellschaft für Geschichtsdidaktik Österreich (GDÖ) statt. Unter dem Titel „Demokratie lernen – historisch-politisch denken: Chancen und Herausforderungen durch den digitalen Wandel und generative Künstliche Intelligenz“ diskutieren Expert:innen aus Wissenschaft, Schule und Erinnerungskultur aktuelle Fragen der historisch-politischen Bildung.

Im Zentrum stehen die Auswirkungen digitaler Technologien und generativer KI auf das Lernen von Geschichte und Demokratie. Wie verändern KI-generierte Erzählungen, Videos und Bilder die Geschichtskultur? Welche Chancen und Risiken ergeben sich für den Unterricht und für außerschulische Lernorte? Diese und weitere Fragen werden in Keynotes, Panels, Workshops und einer Podiumsdiskussion beleuchtet.

Zweitages-Programm

Am ersten Tag begrüßten u. a. Andrea Brait (Obfrau der GDÖ), Rektor Johannes Reitinger (PHDL) sowie Wolfgang Bilewicz (PHDL) und Lorenz Prager (PH Oberösterreich) die Teilnehmenden. Die Keynote hielt Jessica Kreutz (Universität Passau) zum Thema „Demokratie lernen. Die Historischen Grundwissenschaften als digitales Werkzeug für historisch-politische Sinnbildungsprozesse“. Anschließend werden der GDÖ-Preis und der Nachwuchspreis 2026 verliehen und präsentiert.

Im Panel „Digitale Transformation, KI und Geschichtskultur“ sprachen unter anderem Lorenz Prager (PH Oberösterreich) über KI-generierte historische Erzählungen, Kristina Karl und Magdalena Wallisch-Koch über Quellenkritik bei KI-generierten Geschichtsvideos und -bildern sowie Christian Sturm über Erinnerungskulturen in digitalen Spielen. Eine Podiumsdiskussion zu „Historisch-Politischen Lernorten im digitalen Wandel“ brachte Vertreter:innen der PHDL, des Museums Arbeitswelt, der Gedenkstätte Mauthausen/Gusen und des Lern- und Gedenkorts Schloss Hartheim zusammen. 

Am zweiten Tag (18. September) folgen empirische Beiträge zur Demokratiebildung, praxisnahe Workshops zur Unterrichtsgestaltung mit KI und Computerspielen sowie weitere fachdidaktische Panels.